Entlang der russischen Nordmeerküste liegen einige Orte, die auf der einen Seite eine strategisch wichtige Rolle in den Überlegungen der russischen Behörden zur Sicherung der Nordostpassage einnehmen. Gleichzeitig aber sind viele Infrastrukturteile dort hoffnungslos veraltet. Besonders die Energieversorgung gehört dazu. Als Lösung hat Rosatom, die russische Atombehörde und Betreiber der Atomeisbrecherflotte, ein schwimmendes Kernkraftwerk in Auftrag gegeben. Diese wurde nun in Murmansk in mit dem Start des ersten Reaktors in Betreib genommen.

Der an der Nordmeerküste gelegene Ort Pevek liegt in Tschukotka und hat rund 4'700 Einwohner. Es ist der nördlichste Ort Russlands und hat sogar sein eigenes Kraftwerk. In der Umgebung wird Uran abgebaut, was die strategische Bedeutung des Ortes steigert. Bild: Brian Tibbets
Der an der Nordmeerküste gelegene Ort Pevek liegt in Tschukotka und hat rund 4'700 Einwohner. Es ist der nördlichste Ort Russlands und hat sogar sein eigenes Kraftwerk. In der Umgebung wird Uran abgebaut, was die strategische Bedeutung des Ortes steigert. Bild: Brian Tibbets

Das welterste schwimmende Kernkraftwerk, die Akademik Lomonosov, hat in Murmansk seinen Betrieb offiziell am Freitag, 9. November 2018 aufgenommen. «Der physische Start des ersten Reaktors auf der Steuerbordseite an Bord des schwimmenden Kernkraftwerkes Akademik Lomonosov fand am Freitag statt. Die Reaktoreinheit erreichte die minimale kontrollierte Energiemenge um genau 17.58 Moskauer Zeit», sagte eine Sprecherin von Rosatom. Ausgedehnte Tests am Reaktor werden in den nächsten Tage durchgeführt und sollen bis in die erste Hälfte von 2019 stattfinden. Danach wird die Plattform von ihrer gegenwärtigen Stelle in der Atomflottenbasis nördlich von Murmansk, wo auch die russische Eisbrecherflotte und Hilfsschiffe liegen, abgezogen. Der zweite Reaktor des Kraftwerks wird in der näheren Zukunft auch gestartet und getestet.

Die Beladung der beiden Reaktoren mit den Uranbrennstäben startete Ende Juli und wurde jetzt mit dem erfolgreichen Start beendet. Der zweite Reaktor auf der anderen Seite soll in den nächsten Wochen gestartet und getestet werden. Bild: Rosatom
Die Beladung der beiden Reaktoren mit den Uranbrennstäben startete Ende Juli und wurde jetzt mit dem erfolgreichen Start beendet. Der zweite Reaktor auf der anderen Seite soll in den nächsten Wochen gestartet und getestet werden. Bild: Rosatom

Das Beladen von beiden Reaktoren mit den Uranbrennstäben begann bereits Ende Juli dieses Jahres, nachdem die russische Atomaufsichtsbehörde Rostekhnadzor alle Sicherheitsprozeduren und Mechanismen kontrolliert hatte und grünes Licht gegeben hatte. Ursprünglich war geplant gewesen, die Reaktoren mit den Brennstäben in der Werft von St. Petersburg, wo die Akademik Lomonosov gebaut worden war, zu beladen. Doch Rosatom und das norwegische Aussenministerium vereinbarten zusammen, mit dem Beladen und den Tests zu warten, bis das Kraftwerk an der norwegischen Küste vorbeigezogen war. Denn die norwegischen Behörden befürchteten allfällige Austritte von Radioaktivität in die Küstengewässer, falls beim Transport etwas schief gehen würde. Im letzten Mai trat dann das Kraftwerk seinen Weg von S. Petersburg nach Murmansk an, wo es Mitte Juli ankam. Nach den Tests in Murmansk soll das schwimmende Kernkraftwerk im kommenden Frühling durch die Barentssee und die Nordostpassage nach Pevek an der Nordküste von Tschukotka gezogen werden. Dort soll das Kraftwerk die Stadt Pevek mit Wärme und Energie versorgen und das alte Kraftwerk ersetzen. Die beiden Reaktoren haben eine Leistung von rund 70 Megawatt.

Die Akademik Lomonosov, hier im Hafen der Atomeisbrecherflotte nahe Murmansk, ist 144 m lang, 30 m breit und hat eine Besatzung von 69 Personen. An Bord sind zwei modifizierte Kernreaktoren mit einer Gesamtleistung von 70 Megawatt. Bild: Blogger 51
Die Akademik Lomonosov, hier im Hafen der Atomeisbrecherflotte nahe Murmansk, ist 144 m lang, 30 m breit und hat eine Besatzung von 69 Personen. An Bord sind zwei modifizierte Kernreaktoren mit einer Gesamtleistung von 70 Megawatt. Bild: Blogger 51

Quelle: Thomas Nilsen / The Independent Barentsobserver