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Neue Karten des grönländischen Meeresbodens und dem Boden unter dem Eispanzer zeigen, dass zwei- bis viermal mehr Gletscher von beschleunigtem Abschmelzen betroffen sind als bisher angenommen. Forscher der Universität von Kalifornien in Irvine (UCI), der NASA und 30 anderen Institutionen haben die bis dato detaillierteste und genaueste hochaufgelöste Karte von Grönlands Unterwelt veröffentlicht. Unter den vielen Datenquellen für die neue Karte sticht besonders die Ocean Melting Greenland Kampagne (OMG) der NASA hervor.

Der grönländische Eisschild ist die zweitgrösste Eisdecke und Süsswasseransammlung weltweit. Ihr enormes Gewicht drückt die Insel tief in die Erdkruste hinein und hinterlässt viele überflutete Regionen, wenn das Eis plötzlich wegschmelzen sollte. Bild: Michael Wenger
Der grönländische Eisschild ist die zweitgrösste Eisdecke und Süsswasseransammlung weltweit. Ihr enormes Gewicht drückt die Insel tief in die Erdkruste hinein und hinterlässt viele überflutete Regionen, wenn das Eis plötzlich wegschmelzen sollte. Bild: Michael Wenger

Hauptautor der Studie, Mathieu Morlighem von der UCI konnte in einer früheren Arbeit zeigen, dass die Daten von der OMG-Vermessung der grönländischen Fjordböden das Verständnis der Forscher nicht nur im Hinblick auf die Küstenlinie verbessert hatte, sondern auch auf den Untergrund auf dem Festland und unter den Gletschern. Dies vor allem, weil die Tiefenmessungen an den Gletscherkanten die Möglichkeiten, wie der Fels weiter im Inland aussieht stark limitiert. Je näher an der Küstenlinie, desto wertvoller sind die Tiefenmessdaten für das Verständnis der Küstenlinienverläufe, erklärt Morlighem. „Was die OMG so einzigartig gemacht hatte im Vergleich zu früheren Kampagnen, war dass sie richtig tief in die Fjorde gegangen ist, so nahe an die Gletscherfronten wie möglich. Das war eine grosse Hilfe für die Kartographierung des Untergrundes.“ Zusätzlich hatte die OMG auch grosse Gebiete der grönländischen Küste vermessen. Denn in Fjorden, von denen man keine Daten hat, ist es schwierig abzuschätzen, wie tief die Gletscher dort gehen.

Die Karte zeigt einen Abschnitt des grönländischen Küste gemäss der Vorgaben der BedMachine vor und nach der Erfassung der OMG Daten. Besonders hervorzuheben ist der Detailgrad auf der rechten Seite im Vergleich zu der linken, die vor dem Erfassung bestand. Bild: UCI
Die Karte zeigt einen Abschnitt des grönländischen Küste gemäss der Vorgaben der BedMachine vor und nach der Erfassung der OMG Daten. Besonders hervorzuheben ist der Detailgrad auf der rechten Seite im Vergleich zu der linken, die vor dem Erfassung bestand. Bild: UCI

Die OMG Daten sind nur eine von vielen Datensätzen, die Morlighem und sein Team bei ihrer Kartenerstellung mit der BedMachine angewendet hatten. Eine weitere ausgedehnte Quelle sind die Vermessungsflüge der NASA im Rahmen der Operation IceBridge. Diese messen die Eisschilddicke auf während eines Fluges des Spezialflugzeugs. Das führt zu einer Reihe von langen, schmalen Datenstreifen statt zu einer kompletten Karte des Eispanzers. Neben der NASA waren noch knapp 40 andere internationale Partner mit ihren Daten von verschiedenen Teilen Grönlands beteiligt. Keine Vermessung, nicht einmal die von OMGH kann jeden Gletscher entlang der riesigen, verschachtelten Küstenlinie miteinbeziehen. Um auf die Topographie in schlecht untersuchten Gebieten rückschliessen zu können, mittelt BedMachine die vorhandenen Datenpunkte mithilfe von physikalischen Prinzipien wie beispielsweise die Massenerhaltung. Die neuen Karten zeigen, dass zwei- bis viermal mehr Gletscher weiter als 200 m weit in die Tiefe reichen an der Küste als bisher angenommen. Das sind schlechte Neuigkeiten, denn das Wasser der oberen 200 m stammt aus der Arktis und ist entsprechend kalt- Doch das Wasser darunter kommt aus dem Süden und ist 3 – 4° C wärmer als das Wasser darüber. Tiefergehende Gletscher sind also diesem warmen Wasser ausgesetzt und schmelzen dadurch schneller.

Die grönländische Topographie im Farbcode von 1‘500 m unter dem Meer (dunkelblau) bis 1‘500 ü. M. (braun). Rechts: Gebiete, die mit dem Meeresboden verbunden sind in verschiedenen Tiefen (pink – dunkelrot). Bild NASA
Die grönländische Topographie im Farbcode von 1‘500 m unter dem Meer (dunkelblau) bis 1‘500 ü. M. (braun). Rechts: Gebiete, die mit dem Meeresboden verbunden sind in verschiedenen Tiefen (pink – dunkelrot). Bild NASA

Morlighem’s Team nutzten die Karten, um ihre Schätzungen der gesamten Eismasse Grönlands neu zu berechnen und das Potential davon für den Anstieg des Meeresspiegels, wenn das Eis komplett weggeschmolzen sein wird -  was nicht gerade unmittelbar geschehen wird. Die neuen Schätzungen sind 7 Zentimeter höher und kommen nun auf ein Total von 7.42 Meter. OMG-Studienleiter Josh Willis von der NASA erklärt: „Diese Resultate deuten darauf hin, dass Grönlands Eis stärker vom Klimawandel bedroht ist, als wir bisher angenommen haben.“

Quelle: Carol Rasmussen, NASA