Narwale gehören mit Abstand zu den geheimnisvollsten und am wenigsten erforschten Arktisbewohner. Weil sie meist entweder am Packeisrand oder in den Weiten des Arktischen Ozean leben und nur selten in Küstennähe, wissen wir nur wenig über ihr Verhalten und ihre Lebensweise. Ein internationales Forscherteam hat nun ein wenig mehr über ihre Laute und ihr entsprechendes Verhalten herausgefunden. Dazu nutzten die Wissenschaftler eine Palette von Messinstrumenten.

Narwale gehören zu den Zahnwalen und sind mit den Belugas verwandt. Wie diese, leben sie in Verbänden, die mit verschiedenen Geräuschen kommunizieren. Der markante Stosszahn ist vor allem bei den Bullen ausgebildet. Bild: Michael Wenger
Narwale gehören zu den Zahnwalen und sind mit den Belugas verwandt. Wie diese, leben sie in Verbänden, die mit verschiedenen Geräuschen kommunizieren. Der markante Stosszahn ist vor allem bei den Bullen ausgebildet. Bild: Michael Wenger

Eine der Konsequenzen des Klimawandels wird die erhöhte menschliche Aktivität in der Arktis sein, auch in Grönland, wo Narwale noch häufig vorkommen. Über diese Tiere ist aber nur sehr wenig bekannt, vor allem über ihre Akustik und ihr Verhalten und die Veränderungen durch vermehrte Störgeräusche, die durch den Menschen verursacht werden. Frühere Studien haben sich dieses Themas vor allem mit Hydrophonen angenommen, die aber nur begrenzt Aufschlüsse über die räumlichen und zeitlichen Variationen Aufschluss liefern konnten. Susanna Blackwell, Wissenschaftlerin bei Greeneridge Sciences Incorporated, und ihre Kollegen aus Dänemark und Grönland, wollten einen neuen Weg gehen und nutzten neu-entwickelte Akustik- und Satelliteninstrumente. Diese wurden an sechs Narwalen, die in Ostgrönland gefangen wurden, befestigt. Die Instrumente lieferten dann während 7 Tagen insgesamt 533 Stunden an Material, welches von den Forschern ausgewertet werden konnte. Dadurch erhielten sie einen Einblick in das akustische Verhalten der Tiere in einem Raum- und Zeitrahmen.

Die verschiedenen Geräusche der Narwale wurden mithilfe zweier Sender aufgenommen, die an den Tieren festgemacht worden waren. Diese bleiben für mehrere Tage am Tier, auch beim Tauchen. Bild: Michael Wenger
Die verschiedenen Geräusche der Narwale wurden mithilfe zweier Sender aufgenommen, die an den Tieren festgemacht worden waren. Diese bleiben für mehrere Tage am Tier, auch beim Tauchen. Bild: Michael Wenger

Das Team fand heraus, dass die Narwal drei verschiedene Arten von Geräuschen produzieren: Klicks, Brummen und Rufe. Die Klicks und die Brummtöne produzierten zur Echolokation der Beute, während die Rufe vermutlich der Kommunikation untereinander dient. Denn diese Rufe wurden in Tiefen von weniger als 100 Meter ausgestossen, mehr als die Hälfte sogar in weniger als 7 Meter Tiefe. Doch das Brummen und die Klicklaute wurden in Tiefen zwischen 350 und 650 Meter aufgenommen. Den Forschern gelang es sogar, ein bestimmtes Fressgebiet der Narwale zu identifizieren: ein spezifischer Fjord mit einer ausgesprochen hohen Zahl an Brummtönen. Auch ein gewisses Verhalten unter Stress wurde von den Forscher beschrieben: Die Narwale waren nach der Freilassung für rund einen Tag komplett still. Aus diesem Verhalten schlossen die Forscher, dass es in der Zukunft notwendig ist, längere Aufnahmen zu machen, um die Tiere weniger zu fangen und zu stressen. „Es kommen grosse Veränderungen auf die Arktis zu: wärmere Temperaturen führen zu weniger Eis im Sommer; grössere eisfreie Gebiete bedeuten leichteren Zugang für Schiffe und industrielle Operationen wie die Suche nach Öl und Gas. Das ungastliche Packeis, das  für die Narwale das Zuhause bildet für die meiste Zeit des Jahres, hat sie für Jahrmillionen in einer Art geschützter Isolation gehalten, auch vor uns Wissenschaftler. Doch jetzt haben wir wenigstens Methoden und Werkzeuge, die es uns erlauben, virtuell auf dem Rücken eines Narwals für viele Tage zu reiten und mehr über diese unglaublichen Tiere zu erfahren und zu ihrem Schutz beizutragen“, erklärt die Hauptautorin Susanna Blackwell. Vieles ist immer noch unbekannt über die Geräusche der Narwale. Doch nun können Forscher zumindest mit einer Grundlinie arbeiten, um die Einflüsse, die durch den Klimawandel auf die Narwale zukommen wird, besser zu untresuchen.

Narwale kommen wohl nur im Frühjahr in die Küstengebiete, um dort zu fressen und die Jungen zu gebären. Narwale haben eine langsame Fortpflanzung und sind deswegen besonders gefährdet bei Störungen. Bild: Michael Wenger
Narwale kommen wohl nur im Frühjahr in die Küstengebiete, um dort zu fressen und die Jungen zu gebären. Narwale haben eine langsame Fortpflanzung und sind deswegen besonders gefährdet bei Störungen. Bild: Michael Wenger

Quelle: PLOS One