Das Tottengletschersystem ist einer der grössten und am schnellsten fliessenden Gletscher in Antarktika. Es wird angenommen, dass es eine der Hauptabflusssysteme des östlichen Kontinents ist und über die Totten-Gletscherzunge abfliesst. Doch nur wenig ist über die Zunge und ihre tatsächliche Grösse bekannt. Ein internationales Forschungsteam hat nun die Gletscherzunge seismologisch untersucht und entdeckt, dass die Zunge wohl um einiges grösser ist als bisher angenommen. Dies könnte das gesamte Gletschersystem anfälliger auf Schmelzprozesse reagieren.

Ein Forscherteam aus Australien und den USA haben den ganzen Sommer auf der Totten-Gletscherzunge verbracht, um herauszufinden, was unter dem Eis liegt. Überraschenderweise fanden sie Ozean statt festen Boden. Bild: AAD / Ben Galton Fenzi
Ein Forscherteam aus Australien und den USA haben den ganzen Sommer auf der Totten-Gletscherzunge verbracht, um herauszufinden, was unter dem Eis liegt. Überraschenderweise fanden sie Ozean statt festen Boden. Bild: AAD / Ben Galton Fenzi

Ein grösserer Anteil des Tottengletschers als bisher angenommen, schwimmt auf dem Ozean und vergrössert dadurch seinen potentiellen Anteil an der Erhöhung des Meeresspiegels bei einem allfälligen Abschmelzen. Der Glaziologe Dr. Ben Galton-Fenzi erklärt, dass dieser Gletscher einer der am schnellsten fliessenden und grössten Gletscher Antarktikas ist und man bisher angenommen hatte, dass ein grösserer Anteil auf dem Festland aufliegen würde. Als Teil des australischen Antarktisprogrammes verbrachte das Team von Dr. Galton-Fenzi, darunter auch Wissenschaftler aus Tasmanien und den USA, den Sommer damit, den Tottengletscher zu untersuchen. Professor Paul Winberry von der Central Washington University erklärt, dass es mit Hilfe von Seismologie möglich war, die Bodenstruktur unter dem Gletscher zu bestimmen. „Durch Hammerschläge generierte Wellen wurden genutzt, um durch einige Kilometer Eis durchzublicken. An einigen Orten, von denen wir gedacht hatten, dass der Gletscher aufliegt, entdeckten wir den Ozean, was darauf hinwies, dass der Gletscher tatsächlich schwimmt,“ meint Professor Winberry.

Das Team hatte Messinstrumente aufgestellt, um seismische Wellen durch das Eis zu senden und ein Bild zu erhalten, was unter dem Eis liegt. Diese Wellen konnten ohne Mühe das mehrere Kilometer dicke Eis durchdringen. Bild: AAD / Ben Galton-Fenzi
Das Team hatte Messinstrumente aufgestellt, um seismische Wellen durch das Eis zu senden und ein Bild zu erhalten, was unter dem Eis liegt. Diese Wellen konnten ohne Mühe das mehrere Kilometer dicke Eis durchdringen. Bild: AAD / Ben Galton-Fenzi

Professor Winberry sagt weiter, dass durch die grössere Menge an flotierendem Gletscher in einem erwärmenden Ozean auch die grösseren Abschmelz- und Flussgeschwindigkeiten des Gletschers erklärt werden können. „Es bedeutet auch, dass der Tottengletscher sensibler auf Klimaveränderungen in der Zukunft reagieren wird.“ Dr. Galton-Fenzi erklärt, dass der Tottengletscher genügend Eis enthält, um den globalen Meeresspiegel um bis zu 3 Meter ansteigen zu lassen, sollte alles wegschmelzen. „Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist der Meeresspiegel um 20 Zentimeter angestiegen und bis zum Ende dieses Jahrhunderts soll er bis zu einem Meter oder mehr ansteigen. Doch solche Aussagen sind mit grosser Unsicherheit behaftet und daher sind Studien wie am Tottengletscher essentiell“, sagt Dr. Galton-Fenzi. „Diese präzisen Messungen des Tottengletschers sind wichtig, um Änderungen zu überwachen und diese im Kontext natürlicher Veränderungen betrachten zu können. Und die Forschung ist ein wichtiger Schritt in der Beurteilung des potentiellen Einflusses auf den Meeresspiegel und verschiedenen Zukunftsszenarien. “ Die Instrumente zur Messung des Gletscherflusses, der Geschwindigkeit und der Dicke wurden auf dem Gletscher für weitere 12 Monate zur Datenaufnahme zurückgelassen.

Der australische Eisbrecher Aurora Australis treibt entlang der Kante des Tottengletschers. Das Schiff unterstützte die Forscher zusammen mit der nahen australischen Station Casey. Bild: AAD / Paul Brown
Der australische Eisbrecher Aurora Australis treibt entlang der Kante des Tottengletschers. Das Schiff unterstützte die Forscher zusammen mit der nahen australischen Station Casey. Bild: AAD / Paul Brown

Quelle: Australian Antarctic Division